DRAMAWERKSTATT
Dec
17

Warum bin ich so seltsam glücklich

frei nach dem Roman "Jakob von Gunten" von Robert Walser

1 D, 4 H

UA 20.05.1999, Theater Kohlenpott / Theater Ungehindert - Flottmannhallen Herne

Eingeladen zum Festival Theaterzwang 1999, nominiert für die Impulse 2000, war diese frühe Produktion in der Regie von Frank Hörner ein Erfolg in der freien Theaterszene des Ruhrgebiets.

Zum Stück

Anno 1900. In dem Erziehungsinstitut "Benjamenta" unter der Leitung des Fräulein Benjamenta werden Jungen zu kugelrunden Nullen erzogen. Freiwillig fügen sich die Zöglinge in ein Regelwerk, das rigoros auf Selbstverleugnung ausgerichtet ist. Die kleinsten Entscheidungen werden ihnen abgenommen und sie folgen jeder unbegründeten Anordnung. Einer von ihnen - Jakob von Gunten - macht sich keine Illusion über seine Zukunft und nimmt als einziger das Sinnlose seiner Erziehung bewußt und ironisch wahr. Trotzdem bleibt er. Von aller Handlungspflicht entbunden, gibt er sich tatenloser Beobachtung hin.

"Warum", fragt er sich, "bin ich so seltsam glücklich?" Auch heute, ein Jahrundert später könnten sich junge Menschen diese Frage stellen. Ob Generation X oder Y, erkennt die Jugend wie Jakob von Gunten: "Die Welten, merke ich, sind überall dieselben." Und nicht selten hört man die Jugend raunen: "Mich soll man nur antreiben, zwingen, bevormunden. Ist mir durchaus lieb."

Pressestimmen

"Der Werdegang des Jakob von Gunten wird in vielen kleinen Szenen gleichsam en passant erzählt. Aufmerksamkeit erheischen facettenreiche Charakterportraits, ausdrucksstarke Bewegungsbilder, eine ausgefeilte Lichtregie, der kreative Umgang mit Sprache und eine Fülle ironisch-witziger Details."
(Marabu Bochum)

"Das Tagebuchbuchhafte des Romans spiegelt Thomas Richhardts Bühnenfassung in Wiederholungen, im immer gleichen Morgen- und Abendgesang eines (tatsächlich auftretenden) Knabenchors, aber auch in der zerstörerischen Konsequenz, mit der Jakob seinem Lebensziel nacheifert."
(coolibri Ruhrgebiet)

Regie: Frank Hörner; Ausstattung: Willi Thomzyck; Mit: Lucia Gailova; Uwe Eichler, Clemente Fernandez, Kai Lentrodt und Johannes Lersch

"Ein schwierigeres Sujet für eine Dramatisierung ist kaum vorstellbar und dennoch hat sie Thomas Richhardt unter dem Titel ´Warum bin ich so seltsam glücklich´versucht (...) Auch wenn sich diese Produktion naturgemäß einer herkömmlichen Kritik entzieht, so beeindruckt die neunzigminütige Inszenierung durch ritualisierte Expressivität gepaart mit ironischen Einfällen."
(Westfälische Sonntagsnachrichten)

"Und in Herne wird ein literarischer Stoff aufbereitet, der zwar von gestern ist, aber mit aller Sorgfalt zu fesselnder Theatralik findet."
(Westfälischer Anzeiger)