DRAMAWERKSTATT
Aug
17

Heimaten. Metropuls-Projekt

DER TRAUM von GIANLONA, Realschule Sodingen

Ich träumte eines Tages von einem riesigen Glas Sprite. Dieses Glas war so groß wie das World Trade Center. Ich wollte dieses riesige Glas austrinken. Ich suchte mir den höchsten Platz in der Stadt, um zum Glas zu kommen. Das Glas war leider zu weit weg, also suchte ich mir etwas womit ich zum Glas kommen konnte. In der Stadt sah ich meinen Vater als Handwerker arbeiten, der auch Leitern baute. Ich fragte ihn, ob er mir eine Riesenleiter bauen würde. Er sagte, dass er gerade an einer Riesenleiter arbeiten würde. Er und ich kamen zum Riesenglas Sprite, setzten die Leiter gegen das Glas und kletterten hoch. Als wir später merkten, dass die Leiter zu klein war, kletterten wir wieder nach unten. Mein Vater und ich gingen verzweifelt durch die Stadt. Als wir am Ende der Einkaufsstraße ankamen, sahen wir einen grünen Affen mit riesigen Augen. Richtig, das war Kermit, der Frosch. Wir fragten ihn, wie wir am Riesenglas Sprite trinken könnten. Kermit brachte uns zu einem unterirdischen Gang, wo ein riesiger Strohhalm lag. Er nahm sein Kostüm ab. Es war meine Mutter. Wir gingen mit dem Riesenstrohhalm zum Glas, wir setzten ihn wie eine Brücke an, dann liefen wir über den Strohhalm und sprangen ins Glas.

DER JUNKIE UND DER NORMALE

von ERIK und ANSGAR, Realschule Sodingen

JUNKIE nuschel
NORMALE Ey, wat ist los?
JUNKIE Boah ey, geiles Zeug! Hammer Heimat!
NORMALE Wie geht datt denn, ey? Drogen und Heimat?
JUNKIE Ja janz einfach. Ein Zuch und schon bisse heimisch.
NORMALE Du bist echt blöd, ey.
JUNKIE Ja und du, wat is denn für dich Heimat?
NORMALE Ja, Landschaft ist doch toll...
JUNKIE Ach du scheiße, geht`s noch?
NORMALE Ja, ist doch wunderschön. Vor allem, wenn es schneit.
JUNKIE Jo, probier ich vielleicht auch mal.

SZENENENTWURF

von EBRUL, Melanchton-Hauptschule Herne

Titel der Szene: Auto kaufen

Ein Mercedes C Klasse. Der Wagen kostet 99.689 €

Wir brauchen:
1 Händler
1 Käufer
1 Frau des Käufers
1 Putzmann
1 Kind

Der Wagen ist so geil.

Ort der Szene:
Das Haus vom Händler, der Kunde, der Wagen oder 10 davon.

Konflikt:
Der Käufer hat kein Geld aber er kriegt den Wagen trotzdem.

ICH HAB GEWEINT WEIL ER SO GROSS WAR UND STARK

von TERRA, Emschertal-Berufskolleg

TERRA An einem Montagmorgen war ich mit meinem Onkel eine Schuluniform einkaufen. In der Stadt Wichian-Buri sind wir in ein Geschäft gegangen. Als wir aus dem Geschäft auf die Hauptstrasse traten, sind wir meiner Mutter begegnet. Ich war froh, meine Mutter zu sehen. Doch als ich meinen Stiefvater sah, bekam ich Angst. Ich habe geweint, weil er so groß war und stark. Ich dachte, er würde mich umbringen. Doch meine Mutter nahm mich mit in ihr Taxi. Ich hörte nicht mehr auf zu weinen, weil ich so große Angst vor meinem Stiefvater hatte. Als er mich auf seinen Schoß nahm, und mir ein Schokohässchen aus Deutschland gab, hörte ich langsam auf zu weinen. Später, als wir bei meiner Oma ankamen, gab er mir einen Gamepad aus Deutschland. Den habe ich immer noch, in meiner Kiste zu Hause. Mein Stiefvater war froh und wollte mich nach Deutschland mitnehmen. Er regelte alles mit den Papieren. Als es soweit war, kaufte er schließlich mein Flugticket nach Deutschland.
FREUND Wieso nur dir?
TERRA Meine Mutter und er hatten schon Tickets.
FREUND Und wieso du nicht?
TERRA Er wußte gar nicht, dass es mich gibt.
FREUND Wieso das denn nicht?
TERRA Weil meine Mutter erst später von mir erzählt hat. Meine Mutter hatte mich bei meiner Oma in Thailand gelassen, damit sie arbeiten kann. Um unsere Familie ernähren zu können, beziehungsweise mich.
FREUND Wo hat deine Mutter gearbeitet?
TERRA Sie hat in Patoya gearbeitet, in einem Restaurant. Und da haben sich meine Mutter und mein Stiefvater kennen gelernt. Meine Mutter hat ihn gesehen und fand ihn süß und sie zwinkerte mit ihren Augen, damit ja...
FREUND Damit ja?
TERRA Na, du weißt schon.
FREUND Ah, cool. Und dann?
TERRA Später ist mein Stiefvater dort öfters essen gegangen, um sie wieder und wieder zu sehen. Sie haben sich getroffen und sie haben viel miteinander unternommen. Und dann hat mein Stiefvater ihr eines Tages ein Angebot gemacht und wollte sie mitnehmen, nach Deutschland.
FREUND Und was hat sie geantwortet?
TERRA Sie hat ja gesagt und gab ihm ein Küsschen.
FREUND Hey und da waren sie zusammen.
TERRA Jap.
FREUND Und warum hat deine Mum ihm nicht erzählt, dass es dich auch noch gibt?
TERRA Ich weiß nicht, ich glaube, sie wollte es nicht so schnell angehen. Ja und meine Mum und mein Dad sind dann nach Deutschland geflogen.
FREUND Dein Stiefvater hat also die Flugtickets gekauft und für sie die Papiere gemacht, so dass sie mitkommen darf?
TERRA Ja genau.
FREUND Und dann in Deutschland hat deine Mum ihm gesagt, dass es dich gibt, oder?
TERRA Nein, sie hat ihm noch nichts gesagt. Zuerst haben die beiden geheiratet, damit meine Mum die Deutsche Staatsangehörigkeit bekommt.
FREUND Die beiden haben dann geheiratet und du warst nicht mal dabei, Mann. Aber gewußt hast du es, oder?
TERRA Ja. Meine Oma hat mir hinterher davon erzählt. Und dann hat meine Mum ihm gesagt, dass es mich gibt. Nach der Hochzeit. Also zwei Wochen später.
FREUND Wie kam es dazu, dass sie ihm von dir erzählt hat und wie hat er darauf reagiert?
TERRA Also meine Mum konnte nicht mehr einschlafen. Sie hat mich so vermisst, das war der Grund.
FREUND Sie hat dich geliebt.
TERRA Jap.
FREUND Und wie hat sie es ihm erzählt?
TERRA Sie hat es dreimal versucht. Beim ersten Mal hat sie gesagt, sie muss ihm etwas Wichtiges erzählen. Und dann hat sie gestockt und gesagt, dass die Waschmaschine kaputt ist. Beim zweiten Mal hat sie wieder aufgehört und gesagt, dass sie ein Problem auf der Arbeit hat. Beim dritten Mal hat sie ihm schließlich gesagt, dass sie ein Kind hat in Thailand.
FREUND Und? Wie hat er reagiert?
TERRA Mein Stiefvater hat nur gesagt: Warum hast du mir das denn nicht früher erzählt?
FREUND Hm. Und was hat deine Mutter darauf erwidert?
TERRA Sie wußte ja nicht, wie er reagieren würde und hat deshalb nichts gesagt. Sie hatte Angst, dass er sie im Stich läßt, wie mein leiblicher Vater, den ich nie gesehen habe. Und sie hat ja deswegen wochenlang nicht richtig schlafen können, weil sie nur an mich gedacht hat und wie es mir geht und so.
FREUND Also war dein Stiefvater froh, dass sie ihm davon erzählt hat?
TERRA Richtig. Sie sind dann beide nach Thailand geflogen, um mich abzuholen.
FREUND Und so bist du nach Deutschland gekommen?
TERRA Ja genau.
FREUND Cool.

 

Diese Texte sind in jeweils zweitägigen Workshops an Herner Schulen im Rahmen des Metropuls-Theaterprojektes entstanden. Dramaturgische Betreuung Thomas Richhardt. Alle Rechte bei den Autoren. Mit Dank an das veranstaltende Theater Kohlenpott Herne.

Die Fotos auf dieser Seite wurden im Rahmen der Sommerakademie "Heimaten in Zuhausen" mit Herner Schülern entwickelt. Dank an den Fotografen Pierre Mandoux.